Gedankenchaos: Wieder zurück, wie psychische Erkrankungen den Alltag beeinflussen, ...

Montag, 4. Juni 2018

Hallo allerseits :-)
Hallo ihr Lieben, die vielleicht noch hier sind.
Seit zwei Monaten habe ich mich nicht gemeldet. Ich bin mittlerweile seit ein paar Wochen aus dem Krankenhaus entlassen, aber ich wusste nicht, wie ich weiter machen sollte nach so einer langen Blogpause. Ich habe mich in der Zeit verändert und so wird sich auch mein Blog mit mir ändern. Was ich weiter machen werde, sind Posts, in denen ich meine Gedanken zu verschiedenen Themen teile. Denn das fehlt mir, meine Gedanken über ein Medium zu teilen. Vielleicht werde ich auch hin und wieder meinen Alltag teilen. Auf meinem alten Blog habe ich mal ein "Was ich an einem Tag mache und esse" gemacht und das kam wirklich gut an. Ich schau mir so was manchmal ganz gerne selbst an bei Youtubern, deren Videos ich gern schaue. Mal sehen, ob ich da auch Lust drauf habe, oder, ob mich das eher nervt.
Was mir am schwersten fällt beim Bloggen ist es, Leser zu finden. Damals, als ich meinen vorherigen Blog regelmäßig geführt habe, gab es eine Art Bloggergemeinschaft, die so heute nicht mehr zu existieren scheint. Man hat gegenseitig die Blogs gelesen und kommentiert und über die Kommentare haben Leute den Weg auf die Blogs gefunden. Heute läuft das wohl vor allem über Social Media. Ich denke, ich muss mir eh demnächst ein neuen (gebrauchtes) Handy zulegen. Dann hat das auch mal den Speicherplatz, mir Instagram zu installieren, falls das was für mich ist.
 
Worüber ich gerne öfter mal schreiben würde, ist das Thema psychische Erkrankungen/bipolare Störung. Es die Erfahrungen anderer Betroffener im Internet haben mir in den letzten Monaten viel weitergeholfen. Allein schon das Gefühl, nicht allein zu sein, sondern, dass es andere Menschen gibt, denen es ähnlich geht, hilft mir weiter, auch wenn ich das natürlich niemandem wünsche. Und vielleicht kann ich ja ebenfalls jemandem helfen mit meinen Erfahrungen oder bei Leuten, denen das Thema bisher fremd ist, etwas Bewusstsein schaffen.

Ich würde gerne offener mit meiner psychischen Störung umgehen, aber es fällt mir so schwer. Als es sich damals, als ich 14 war, herauskristallisierte, dass ich wohl depressiv bin, wollte mein Vater aus Scham nicht, dass ich deshalb zum Arzt gehe, und meine Mutter hat versucht vor dem Rest der Familie zu vertuschen, dass ich deshalb in Behandlung bin. Und da hat es sich offenbar eingebrannt, niemandem davon zu erzählen. Zumal ich so wie so ziemlich schüchtern bin und in Gesprächen recht unsicher, wenn es darum geht, persönliche Dinge von mir Preis zu geben.
Mittlerweile rede ich schon offener darüber und habe auch einigen Leuten, die sich gewundert haben, dass ich sie mich so lang nicht an der Uni gesehen haben, erzählt, dass es mir beschissen ging. Was ich genau habe, hab ich mich leider nicht getraut, zu erzählen. Aber das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.
Ich würde mir wünschen, dass psychische Störungen gesellschaftlich mehr akzeptiert wären. Und da würde ich selbst gerne meinen Beitrag zu leisten. Ich denke, ich versuche immer weiter in die Richtung zu gehen. Es fällt mir auch bei anderen persönlichen Themen immer leichter, mit anderen darüber zu reden.
 
Auch wenn ich jetzt wieder zu Hause bin und aus der gemischten Episode raus, merke ich, dass die bipolare Störung immer eine bedeutende Rolle in meinem Leben einnimmt. Ich habe noch  immer öfters kleine Hochs und Tiefs, die ein paar Minuten oder ein paar Tage andauern. Ich merke, dass mir Dinge schnell zu viel werden und ich alle paar Tage, nachdem ich öfters Freunde oder Bekannte getroffen habe, erst mal ein, zwei oder gar drei Tage Pause brauche, in der ich allein bin. Mir fällt es schwer, morgens aufzustehen und den Antrieb zu finden, meinen Tag zu beginnen. Wenn es darum geht, etwas zu unternehmen oder irgendwo zuzusagen, muss immer abwägen, ob mir das nicht zu viel ist. Es fällt mir ziemlich schwer, meinen Haushalt zu schmeißen. Mir fehlt oft die Kraft dazu. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie andere Leute es schaffen, sich um ein Haus mit Garten zu kümmern und auch noch Kinder haben, für die sie den Haushalt mitmachen und um die sie sich zusätzlich kümmern. Mir hat meine kleine Studentenwohnung schon viel zu viele Ecken, die viel zu schnell dreckig bleiben können.
Ich beschäftige mich oft mit der Störung, um meine neue Diagnose annehmen zu können. Bisher habe ich gedacht, es wäre eine unipolare Depression, und gehofft, dass sie wieder weggeht, wenn ich in der Psychotherapie meine Kindheit aufarbeite. Dass ich nun eine Erkrankung habe, die mein ganzes Leben mehr oder weniger bestehen bleibt, oder gegen die ich zumindest den Rest meines Lebens Medikamente nehmen muss, fällt mir schwer, zu akzeptieren.
Und genau so schwer, fällt es mir, zu realisieren, dass das, was in den letzten Monaten geschehen ist, wirklich passiert ist. Das war eine mehr als krasse Erfahrung.
So froh ich bin, meinen Alltag zurück zu haben, und wieder in der Lage zu sein, ihn bewältigen zu können, muss ich zugeben, dass es sich noch nicht so ganz nach Alltag anfühlt. Dieser Schatten, dieser stille Begleiter, der seit fast zehn Jahren mal mehr, mal weniger an meiner Seite ist, ist immer da. Wie oft habe ich mir eines gewünscht: Normalität. Ich will meiner bipolaren Störung nicht so viel von meinem Leben geben müssen, dass nicht genug für mich übrig ist.
Und doch hat es mich noch ganz gut getroffen. Es gibt viele andere Leute mit psychischen Störungen aller Art, die nicht das Glück haben, ihren Alltag in dem Ausmaß bewältigen zu können. Die, verrentet sind oder Betreuung brauchen oder kaum soziale Kontakte haben. Nein, ich kann studieren, ich kann alleine wohnen, ich habe viele Freunde und Bekannte.
 
 
 

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