Frei von Grenzen, mit denen man sich selbst einschränkt

Sonntag, 22. Oktober 2017
Heute solle es um ein Thema gehen, dem ich immer mal wieder begegne. Es geht darum, mir selbst Grenzen zu setzen, weil ich denke, ich müsste etwas tun oder unterlassen. Eigentlich gibt es zwar niemanden, der mir das vorschreibt, oder vielleicht doch, aber keinen überzeugenden Grund, mir das vorschreiben zu lassen, aber irgendwie erscheint es mir doch notwendig, mich daran zu halten. Im Grunde habe ich von klein auf gelernt, dass das so sein müsse, oder später die Überzeugung erlangt und sie nicht wieder abgelegt. Ich spüre so eine gesellschaftliche Erwartung auf mir und denke, sie erfüllen zu müssen.
 

Bei mir ist es in den letzten Monaten das Thema, dass ich ehemals vorhatte, im nächsten Sommer mit meinem Bachelor fertig zu werden. Dafür müsste ich dieses Semester mein Praktikum absolvieren. Allerdings hat mir eine depressive Episode da einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Es geht mir mittlerweile besser, aber ich merke, dass es sofort schlechter wird, wenn ich anfange, mir zu viel zu zu muten. Ich habe trotz allem aber recht lange an meinem Plan festgehalten, bis ich irgendwann eingesehen habe, dass ich gerade unmöglich ein Praktikum machen kann. Aber wer sagt, dass ich alles, was mir noch fehlt, in diesem Jahr schaffen muss? An sich ist das doch eine Grenze, die ich mir selbst setze.
Nur ... wie eine Grenze, die ich mir selbst setze, fühlt sich so etwas für mich oft nicht an, sondern wie etwas, das ich objektiv gesehen erfüllen muss. Aber wieso sollte ich? Erst mal muss ich doch gar nichts.
 
Mich davon zu lösen, ist nicht gerade einfach. Auch wenn ich es vom Verstand her erkannt habe, ist es doch tiefer im Kopf verwurzelt. Welche Lösung habe ich also für mich erkannt?
Ich gehe das Ganze auf dem achtsamen Wege an.
Zunächst hilft es mir natürlich schon, es erkannt zu haben und mir dessen bewusst zu sein. "Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung" heißt es ja so treffend, aber sie ist eben nur der erste und noch nicht hinreichende Schritt. Um mir dessen bewusst zu sein, sollte ich mir ruhig immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass ich mir gerade selbst eine Grenze setze, und mich immer wieder daran erinnern, dass es nur ein Konzept ist. Ein Konzept - nicht mehr und nicht weniger. Sie ist keine Grenze, die real existiert, sondern nur in meinem Kopf. Ich könnte auch etwas anderes denken, aber so zu denken, habe ich mal irgendwann gelernt.
Und da finde ich es ebenfalls wichtig, zunächst erst einmal anzunehmen, dass diese Grenze da ist. Ich verurteile mich nicht dafür, sondern erinnere mich einfach immer wieder ganz friedlich daran, dass ich mir gerade wieder selbst eine Grenze setze, die gar nicht da sein muss.
 
Und letztendlich gehört auch ein wenig Durchhaltevermögen dazu. Ich muss wohl oder übel manchmal durchhalten, wenn in meinem Kopf immer wieder Zweifel oder alte Gedankenmuster aufkommen. Natürlich denke ich gerade auch öfters mal: "Jetzt geht es mir doch eigentlich besser. Da hätte ich das Praktikum doch machen können", aber im Grunde weiß ich, dass dem nicht so ist. Wenn ich gerade mehr Zeit für mich brauche und, um zur Ruhe zu kommen, dann steht es mir frei, mir diese zu nehmen.
Um ein alternatives Konzept in meinem Kopf fest zu setzen, eignen sich für mich Affirmationen sehr gut. Ich kann mir zum Beispiel ein paar Sätze formulieren und diese morgens nach dem Aufwachen und abends vorm Schlafen oder im Alltag zwischendurch wiederholen. Worauf ich achte, wenn ich Affirmationen formuliere, habe ich in diesem Post ja bereits erzählt.
Vielleicht kommt dem ein oder anderen das ja auch bekannt vor? Wie geht ihr damit um? Lasst doch gerne einen Kommentar da :)
 
Herzlichst ♥,
eure Nicole

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